Nachhaltigkeitswoche Logo

Wir sind gleich

Mittwoch 21. März 2018

Anlässlich des 50. Todestages Martin Luther Kings würde eine Lobeshymne auf den Wandel der Gesellschaft, alleine aufgrund des Titels, herzlich wenig überraschen. „Wir sind gleich“, kann aber global noch weit umfassender bilanziert werden.

Folgt man Charles Darwin, so ist der Unterschied zwischen Tier und Mensch nur graduell, nicht grundsätzlich. Doch daraus entzünden sich auch heute noch hitzige Diskussionen. Mit der unvergleichbaren Vormachtstellung des menschlichen Wesens auf unserer Erde, geben sich die Forscher - insbesondere die Anthropologen - keinesfalls zufrieden. Sich dem Ziel verschrieben, einzigartiges Verhalten der menschlichen Rasse zu finden, wurde einst recht überschaubar angefangen: Einzig die Menschen benutzen Feuer, oder? Nein, auch Habichtfalken und zwei weitere Vogelarten nutzen Feuer um zu Jagen. Vielversprechend schien des Weiteren das Verhaltenselement, Traditionen zu pflegen. Relativ simpel wiederlegt wird dies durch die Beobachtung von Buchfinken, die ihren Nachkommen einen anderen Schlussschnörkel lehren, als dass dies ihre Verwandten zwei Städte weiter tun. Die ganze Lernprozedur beginnt beim Imitieren untereinander und zeigt, dass nicht in erster Linie angeborene Anlagen die Entwicklung des Gesangs zeichnen. Komplizierter zu belegen sind Eigenschaften wie Rücksichtnahme und altruistische Hilfe. In einigen seltenen Fällen ist es jedoch bereits gelungen, auch dies im Verhalten von Tieren zu belegen. Ohne grosse Interpretation kann man darüber hinaus eine einfache Vorstellung von Gerechtigkeit erkennen. Die vorerst letzte Bastion der Einzigartigkeit des Homo sapiens mündete schliesslich in der als Theory of Mind (ToM) bekannten Verhaltensweise. Diese bezeichnet die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen. Um die gewollte Kürze des Artikels nicht zu missachten und aufgrund des komplexen Experiments und der Erklärung dazu, muss ich an dieser Stelle auf das entsprechende Buch verweisen. Vorweg kann ich Folgendes sagen: Wie die Schimpansin dabei abschneidet, ist überragend.

Die Erklärung, weshalb es sich bei diesem Artikel um good news handelt, ist folgende: In Zeiten, in denen wir die gesellschaftliche Unterdrückung aufgrund von scheinbaren Unterschieden nicht weiter tolerieren, sind wir sicherlich klüger und dadurch bereit für mehr “Menschlichkeit“ gegenüber der uns nicht ungleichen Tierwelt.

Text von William Dudler